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100% WIR

Das WIR-Verrechnungssystem

Das WIR-System stellt mit dem WIR-Geld im Teilnehmerkreis gebundene Kaufkraft dar. Gemäss den Statuten bezweckt es, die angeschlossenen Teilnehmer zu fördern, ihre Kaufkraft durch das WIR-System einander dienstbar zu machen und in den eigenen Reihen zu halten, um damit den Teilnehmern zusätzlichen Umsatz zu verschaffen.

Das WIR-Verrechnungssystem funktioniert als bargeldloser Zahlungsverkehr unter den WIR-Teilnehmern. Guthaben und Belastungen auf den Konten der Teilnehmer werden am Hauptsitz der WIR Bank in Basel verbucht. Ein scheckartiges Papier, der Buchungsauftrag, oder der WIR-Zahlungsschein dienen dabei als Zahlungsmittel. Mit der WIR-Karte, die vor allem in der Gastronomie und im Detailhandel zum Einsatz kommt, tätigen die Kundinnen und Kunden reine WIR-Zahlungen, kombinierte WIR-/CHF-Zahlungen und reine CHF-Zahlungen. Zahlungen in WIR und CHF können auch mittels Electronic Banking und seit Mitte 2008 mittels Internet-Banking ausgeführt werden.

Am WIR-System nehmen gegen 50'000 KMU aus allen Branchen und Landesteilen der Schweiz teil. Hinzu kommen über 10'000 WIR-Teilnehmer-Angestellte mit einem eigenen WIR-Konto. Jeder WIR-Teilnehmer legt seinen individuellen WIR-Annahmesatz fest, den Prozentsatz, zu welchem er Zahlungen in WIR entgegennehmen will (mindestens jedoch 30% auf die ersten 3000 Franken eines Geschäfts). Dabei wird ein WIR-Franken einem Schweizer Franken gleichgesetzt.

Potenzielle WIR-Geschäftspartner sind auf dem elektronischen WIR-Marktplatz, in den Publikationen WIRINFO und WIRGASTRO sowie mit der sogenannten WIRGASTRO-App für iPhone und Android zu finden. Ausserdem werden in der Schweiz jährlich vier WIR-Verkaufsmessen in Luzern, Zofingen, Bern und Zürich durchgeführt, an denen die WIR-Teilnehmer als Aussteller und Kunden auftreten.

Der WIR-Franken erhielt 2004 den dreistelligen Buchstabencode CHW nach ISO 4217 in Entsprechung zur Landeswährung CHF (Schweizer Franken). An Laden- oder Hoteleingängen in der Schweiz wird mit dem WIR-Signet auf die Möglichkeit hingewiesen, die Leistungen ganz oder teilweise in WIR-Geld zu bezahlen.

 

WIR-Geldschöpfung

WIR-Guthaben werden mittels Krediten von der WIR Bank geschaffen, wobei der Kreditnehmer der WIR Bank einen Vermögenswert verpfändet, also eine Sicherheit stellt, wie er es bei einer üblichen Geschäftsbank ebenfalls tun würde.

Die Kredite stammen aus direkter, eigener Geldschöpfung der WIR Bank. Die WIR Bank hat im WIR-System eine ähnliche Geldschöpfungsfunktion wie die Schweizerische Nationalbank als Zentralbank der Schweizer Franken. Konten werden häufig entweder im Rahmen eines ersten Geschäftsabschlusses mit WIR-Geld oder eines Kredits eröffnet.

WIR-Guthaben verfügen über keine Deckung durch Schweizer Franken. Die WIR-Kredite werden, je nach Art des Kredites, durch Grundpfandrechte, Bankgarantien, Lebensversicherungen usw. abgesichert. Im WIR-Bereich werden unter anderem Bau-, Hypothekar-, Kontokorrent- und Investitionskredite sowie ein ÖKO-Kredit angeboten.

Der WIR Bank entstehen aus ihrer Geldschöpfung keine Kredit- bzw. Refinanzierungskosten. Sie selbst muss für die vergebenen Kredite also keine Zinsen aufbringen. Genau aus diesem Grund kann sie ihre Kredite gegen besonders niedrige Zinssätze zur Verfügung stellen.

Obwohl ein WIR-Franken einem Schweizer Franken gleichgesetzt ist, wird der WIR-Franken in der Praxis zu weniger als einem Franken bewertet und getauscht. Die Leitung des damaligen Wirtschaftsrings hat deshalb 1973 den Teilnehmern den Handel von WIR-Geld gegen Schweizer Franken oder andere Währungen verboten. Bei Verstössen gegen die Geschäftsbedingungen drohen Ausschluss aus dem WIR-System und hohe Konventionalstrafen. Die WIR Bank geht so rigoros gegen den Handel mit WIR-Guthaben vor, weil diese Praktiken das WIR-System aushöhlen, das WIR-Geld funktioniert paradoxerweise, weil niemand es will, und damit der Druck auf Lieferanten entsteht, es anzunehmen.

 

Öffnung für Nichtmitglieder

Ab 1997 erfolgte der schrittweise Einstieg der WIR Bank ins Schweizer Bankengeschäft. Herkömmliche Bankprodukte im Bereich Sparen und Vorsorge wurden in die Angebotspalette der WIR Bank aufgenommen. Im Jahr 2000 erfolgte die Öffnung der WIR Bank für das breite Publikum. Seit jenem Zeitpunkt sind die Anlage- und Vorsorgeprodukte sowie der inländische Zahlungsverkehr der WIR Bank auch für Privatpersonen zugänglich, die keine Beziehung zur WIR-Verrechnung haben.

Die Kundengelder stellen für die WIR Bank eine wichtige Refinanzierungsquelle für die CHF-Kredite dar, welche wiederum den angeschlossenen KMU-Kunden und Privatkunden zugänglich sind. Neu- und Umbauten sowie Renovation finanziert die WIR Bank mit kombinierten Gesamtfinanzierungen in Form von WIR- und CHF-Krediten. Diese werden seit 2005 unter bestimmten Voraussetzungen auch Privatkunden angeboten.

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